GEORG SACHER

HOMMAGE A VESPULA

Ausstellung in der ART GALLERY Luxemburg

vom  7.4.-27.4.1992 

Wütende Insekten

Georg Sacher in der Art Gallery Luxemburg

Georg Sacher betreibt diese zeitgenössische Form des Expressionismus in ihrer ganzen Brutalität, sie bewegt sich an den Grenzen der Abstraktion, ist Trägerin allen Zorns und aller Ängste, die durch Gleichgültigkeit hervorgerufen werden. Gleichgültigkeit, "nicht differenzieren": das erweckt in der Tiefe unseres Seins etwas gefährlich Bitteres. Die Komposition zeigt beständig ein zur Hälfte definierbares Leben. Die einzige Gewissheit, die man für sich selbst hat, besteht darin zu wissen, dass es aus der Welt der Insekten hervorgegangen ist. Schemenhaft in dicken, dunklen Linien, erscheinen Fliegen, Wespen und Hornissen von Gefräßigkeit beseelt zu sein, von einem wilden Wahnsinn, der Selbstvernichtung, kannibalen Heißhunger und Zerstörungswut vereint. Lautréamont bezeichnete es mit den Worten: "Sie haben einen unersättlichen Durst auf Unendlichkeit."

Die Farbpalette ist ganz und gar durchdrungen von einem muffigen Geruch nach feuchter, zersetzter Vegetation, so wie man ihn in der Mitte des Sommers an einem verbotenen und den harmlosen Blicken verschlossenen Orten erlebt. Keine Farbaufschreie. Das Gefühl der Gewalt, das den Betrachter ergreift, kommt einzig und allein von dieser Aura des erhitzten, unerträglichen Dschungels.

Die auf unsere Vorfahren zurückgehende Tendenz, das Insekt als eine heimtückische Bedrohung anzusehen, als ein Objekt des Ekels, als Ausdruck des "Schädlichen" an sich, zeigt, dass wir unbewusst in dieses Bild unsere eigene versteckte Unmenschlichkeit hineinlegen: das was uns in uns selbst Angst macht... dieses Bild gibt nur zu gut zu erkennen, wozu wir fähig wären unter bestimmten außergewöhnlichen Umständen, auf die uns nichts in der modernen Zivilisation vorbereitet. 

Ein harter, unerbittlicher Expressionismus passte zu dieser schwierigen Wahrheit. Sacher handhabt ihn mit einer seltenen Geistesgegenwart im Kampf der Bewegungen. Er trifft genau: genauso genau wie einstmals Goya getroffen hatte.

Pierre Kremer